Youth Recruitment: Was wir wissen - und was wir noch nicht sehen.
Veröffentlicht am 19. Oktober 2026
Ein neuer, hochdynamischer Markt organisierter Kriminalität stellt Europas Ermittlungsbehörden vor enorme Herausforderungen. Mittendrin: Kinder und Jugendliche, die systematisch angeworben und ausgebeutet werden. Wie viel verstehen wir tatsächlich von den Strukturen dahinter?
Lissabon, Ende September 2026. Auf der European Crime Prevention Conference diskutieren Fachleute von Europol, nationalen Ermittlungsbehörden, Wissenschaft und Prävention über eine Entwicklung, die zunehmend Fragen aufwirft.
Auf den Präsentationsfolien erscheinen vermeintliche Jobangebote aus sozialen Netzwerken, Chatverläufe und digitale Rekrutierungswege. Dann fällt ein Satz, der mehr über die Verletzlichkeit junger Menschen verrät als manche Kriminalstatistik: „He was the only one who listened to me.“ Er war der Einzige, der mir zuhörte. Gemeint ist ein krimineller Anwerber.
Die Nachrichten über immer jüngere Tatverdächtige sind längst Teil unserer medialen Wirklichkeit. Begriffe wie „Wegwerfgangster“ machen Schlagzeilen. Doch während die Öffentlichkeit über jugendliche Gewalttäter diskutiert, gerät eine entscheidende Frage in den Hintergrund: Was geschieht eigentlich, bevor ein Kind zum Täter wird? Wer nutzt seine Verletzlichkeit aus, wer zieht es in kriminelle Abhängigkeiten, und welche Interessen stehen dahinter? Die jungen Menschen, über deren Straftaten berichtet wird, können zugleich Opfer einer gezielten Ausbeutung sein.
Crime-as-a-Service (CaaS), Violence-as-a-Service (VaaS), Youth Recruitment: Hinter diesen Fachbegriffen verbirgt sich ein krimineller Dienstleistungsmarkt, der sich über Länder- und Plattformgrenzen hinweg entwickelt und dessen Akteure ihre Methoden fortlaufend verändern. Selbst spezialisierte Ermittlungsbehörden verfügen bislang nur über Ausschnitte des Gesamtbildes. Umso wichtiger ist es, dass die wenigen Fachleute mit vertieften Einblicken ihre Erfahrungen zusammenführen, Erkenntnisse abgleichen und gemeinsam neue Fragen entwickeln. Genau das macht die European Crime Prevention Conference zu einem wichtigen Ort des fachlichen Austauschs.
Für uns von antifinancialcrime.org steht dabei eine Perspektive im Mittelpunkt, die in der öffentlichen Debatte häufig zu kurz kommt: die wirtschaftliche Logik hinter der Rekrutierung junger Menschen. Welche Rolle spielen Vermittlung, Finanzierung und digitale Infrastrukturen? Welche Zusammenhänge erkennen wir bereits, und wo endet unser Wissen? Diesen Fragen sind wir in Lissabon nachgegangen und haben die Konferenzbeobachtungen anschließend mit europäischen Forschungsergebnissen und Erkenntnissen von Europol und BKA zusammengeführt.
Entstanden ist unser Research Report „Die Plattform ist austauschbar“: eine Analyse der Rekrutierungslogik organisierter Kriminalität, ihrer bislang wenig verstandenen Mechanismen und der Fragen, die Forschung, Ermittlungsbehörden und Prävention künftig gemeinsam beantworten müssen.
Den vollständigen Research Report entdecken
- An die Adresse info_at_antifinancialcrime.org können sich gerne Schulen oder Schulträger und Jugendeinrichtungen wenden, wenn wir an Ihren Einrichtungen eine (kostenlose!) Veranstaltung zur Sensibilisierung / Prävention zum Phänomen „Ansprache Jugendlicher durch kriminelle Netzwerke“ durchführen dürfen.
- Ein solches zivilgesellschaftliches Programm und Projekt ist auf Förderung und Unterstützung angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende (Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung finden Sie hier: https://antifinancialcrime.org/unterstuetzen/, Verwendungszweck YouthNotCrime).
- Sollte Ihre Organisation oder Firma an einer nachhaltigen Unterstützung dieses Projekts interessiert sein, sprechen Sie uns gerne an: thomas.seidel_at_antifinancialcrime.org und sabine.gruetzmacher_at_antifinancialcrime.org.
